Kategorie: Lauftraining

Benefizlauf Leipzig 2020

In diesem Jahr ist der Leipziger Marathon ausgefallen. Daher hat die Deutsche Hirntumorhilfe am 26.04.2020 ab 10:00 Uhr zu einem virtuellen Spendenlauf aufgerufen.

„Der virtuelle Startschuss erfolgt um 10:00 Uhr (wer kurz vorher oder nachher oder an einem anderen Tag teilnehmen will, kann dies selbstverständlich tun).

Idealerweise schickt Ihr uns dann Eure Daten bis spätestens 30.04.2020 an e.s.dunkel[at]online[dot]de: Vorname, Name, Datum, Ort, Art der Teilnahme, erreichte cm/m/km, Bilder, Statements, … . Veröffentlicht werden die einzelnen Aktionen in den digitalen Medien der Deutschen Hirntumorhilfe. Eine namentlich anonymisierte Veröffentlichung ist selbstverständlich möglich.*Bitte unterstützen Sie die Mitmachaktion mit Ihrer Beitrag auf das Spendenkonto der Deutschen Hirntumorhilfe. Kennwort nicht vergessen. Es lautet: „LM 2020″

Online-Spende (Spendenkonto Deutschen Hirntumorhilfe: Sparkasse Muldental / IBAN: DE38 8605 02001010 0369 00 / Kennwort: LM 2020“)

 

Jeder Schritt zählt. Meine Freundinnen und ich haben bei traumhaften Wetter daran teilgenommen:

Adina: 7,0 km
Carla:  8,3 km
Gabi:   7,1 km
Petra:  7,1 km 

Es hat uns allen viel Spaß gemacht.

Beide Füße fliegen hoch!

Als ich mir im Frühjahr dieses Jahres ernsthaft vorgenommen hatte am 07.11.2021 am NY Marathon mit 10 Kilometer teilzunehmen, ging ich mein Projekt frohen Mutes und mit einer übereifrigen Rocky Mentalität an. 10 KM schaffte ich bereits locker zu Fuß, was soll da groß auf mich zukommen? Ein überschaubarer Plan. Dachte ich. Also warum mir einen Kopf machen. Olle Jogging-Klamotten an und ab auf die Piste. Einfach nur los und laufen, laufen, laufen, so wie Rocky, mein großes Vorbild in dieser Sache! 😉 Tja, das ist gründlich in die Hose gegangen.  Daher suchte ich mir einen Trainer. Und da ich zu diesem Zeitpunkt immer noch den Rocky-Motivator in mir trug, ging ich beschwingt zur ersten Trainingsstunde und erhielt dementsprechend einen sportlichen Trainingsplan: Hey, ich war motiviert. Ich war cool. Ich war bereit, alles zu geben!

Die KW 24 hatte ich komplett durchgezogen. Als ich am letzten Tag der ersten sportlichen Woche, nach wirklichen fast 12 km mit allen Laufeinheiten an den beiden Tagen davor zu Hause ankam, ging gar nichts mehr. Ich legte mich kurz aufs Bett (nur einmal ganz kurz ausruhen) und kam für geschlagene 3 Tage nicht mehr hoch. Mein Physiotherapeut hatte in den darauffolgenden zwei Wochen so einiges zu richten bei mir.

Der restliche Trainingsplan landete komplett in der Tonne. Ab der 27. KW wurde es ziemlich unkoordiniert. Im Prinzip puzzelte ich mehr oder weniger vor mich hin. Ich war frustriert. Die 10 KM waren mittlerweile ein größenwahnsinniges nicht zu schaffendes Projekt für mich. New York war nur noch Utopie! Mein größtes Problem war, dass ich mir ständig die Füße verknotete, stolperte und hinfiel. Ich musste immer hoch konzentriert laufen und gab innerlich den Ton an: Eins. Zwei. Drei. – Eins. Zwei. Drei. Eins. … Wurde ich kurz abgelenkt, fiel ich auf die Nase. In dieser Phase hatte ich so gar nichts mehr mit Rocky gemeinsam.

Der Sardinien-Urlaub gab mir neuen Mut. Ich stellte mir etwas Eigenes zusammen. Morgens laufen, mittags Yoga und am Nachmittag schwimmen. Und das alles in einem maßvollen Rahmen. Es klappte auch wunderbar bis zur Mitte der Urlaubszeit. Ich war echt stolz auf mich. Aber dann kamen die Viren meiner Sitznachbarin am Abendbrot-Tisch auf mich zu und legten mich bis Ende des Urlaubs mehr oder weniger lahm.

Ich brauchte schon wieder einen neuen Plan. Daher ging ich auf die Suche. In Düsseldorf bot eine Laufschule einen Technik-Einsteigerkurs an. Und den buchte ich einfach. Was Besseres hätte ich gar nicht machen können. An dem ersten Tag habe ich so viel über das Laufen gelernt und auch wieder gemerkt, dass völlige Selbstverständlichkeiten, wie z.B. der Unterschied zwischen Gehen und Laufen dieser kleine Moment in der Luft ist. Und das war genau mein Problem! Das bekam ich nicht hin. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich gar nicht darüber nachgedacht (mal ehrlich: Jeder weiß es, jeder kann es, niemand muss auch nur ansatzweise darüber nachdenken. Bei mir wurde aber vor 8 1/2 Jahren alles ausgelöscht. Manches war einfach noch nicht wieder da.), sondern immer nur geflucht, warum klappte es einfach nicht. Mein Kopf konnte es nicht umsetzen und leitete falsche Signale an Beine und Füße weiter.

Von dem Moment an, als ich die völlig Selbstverständlichkeit des Joggens kapiert hatte und es in meinem Stammhirn (ich bin bis heute immer noch über das Wunderwerk Gehirn erstaunt, wenn es bei mir erst einmal etwas verstanden hat, dann geht es auch plötzlich. Nicht alles, denn Fahrrad fahren werde ich nie mehr können, aber anderes kann ich dann eben doch) angekommen war, freue ich mich über jeden kleinen Moment, den ich mit meinen Füßen in der Luft bin, auch wenn der Abstand zum Boden noch so klein ist. Für mich ist es wie fliegen und noch so vieles mehr: Kopf, Füße und Beine sind wieder eine Einheit. Die Kommunikation ist wieder hergestellt. Mittlerweile kann ich bei meinem Intervalltraining 4 x 3 Minuten Joggen mühelos einbauen.

New York ist wieder ein Plan. Ein Vorhaben. Ein reales Ziel!

Aufgeben gilt nicht :-)

Bevor ich nach Sardinien flog, hatte ich mir für die Zeit dort ein kleines ambitioniertes Sportprogramm zurechtgelegt. Wegen meiner vielen blöden Rückschläge wollte ich das Lauftraining und meine Yoga-Übungen nicht schon wieder unterbrechen. Es sind zwar noch zwei Jahre bis zum Marathon, aber wenn ich in diesem Schneckentempo weitermache, brauche ich für die 10 KM mindestens zwei Stunden. Der Kenianer Eliud Kipchoge hat für 42,195 Kilometer in Wien 1:59:40 Stunden gebraucht. Nur so als Beispiel! Richtlinie! Zielsetzung! Ansporn! Okay, der Vergleich hinkt ein wenig. Er ist absoluter Profi, läuft seit Jahrzehnten und hatte für diesen Rekord ein sehr großes Team dabei, welches sich um ihn kümmerte und anspornte.

Mann, ich wäre schon echt froh, wenn ich die 10 KM in einer Stunde hinbekomme. Im Hintergrund höre ich bereits Stimmen der alten genervten und ungeduldigen Petra: Dann mach doch endlich! Hintern hoch! Höre auf zu jammern! Stell Dich nicht so an!

Mein Vorhaben Laufen spiegelt eins zu eins mein Vorhaben Leben wider. Es gibt Tage, da klappt alles großartig. Meine vorgenommene Strecke schaffe ich fast mühelos. Mir gehts gut. Ich mache wieder Pläne für mein Training und für das Leben. Gefühlt gehts aufwärts. Frohen Mutes glaube ich ernsthaft daran, dass ich meinen Platz in diesem Leben wieder finden werde. Meine 10 KM in zwei Jahren schaffen werde. Und dann! Aus heiterem Himmel: BÄHHMM! Der Rückschlag! Irgendwas ist immer. Körper, Geist und Seele sind sich leider immer noch viel zu selten einig. Ständig gerate ich an irgendeiner Stelle aus dem Takt. Das Konstrukt Petra ist eine sehr instabile Angelegenheit. Das komplette Gegenteil von früher! Da trugen mich die plumpen Sprüche: Nur die Harten kommen in den Garten. Was mich nicht umbringt, macht mich nur noch härter. Ich konnte mich Weicheiern, so wie ich heute eins bin, überhaupt nicht umgehen. Und ehrlich, ich kann überhaupt nicht mit mir umgehen: dieses ständige ins Loch fallen und wieder da herauskrabbeln müssen. Manchmal bekomme ich es kompensiert, manchmal verdränge ich es einfach und dann kommen auch wieder die Tage, da geht absolut gar nichts. Gleichzeitig setzt die Verzweiflung ein und die Hoffnungslosigkeit, irgendwann einmal wirklich wieder einen Platz in diesem Leben zu haben. Ich weiß, man heilt nicht linear, sondern in Wellen. Mal gehts aufwärts, dann wieder rückwärts. Und wieder ein Stück aufwärts, dann wieder rückwärts. …

Sardinien hat mir mein kleines sportliches Vorhaben umzusetzen sehr leicht gemacht. Ich fand einen wunderschönen Ort vor. Gleich am nächsten Tag bin ich zum hauseigenen Strand gelaufen und hatte die gesamte Bucht am Meer entlang geschafft. Am nächsten Tag schloss ich mich heimlich einer Gruppe an und bin ihr nach, was auch gut gelaufen ist. Das Jippiieee am Ende derer Runde und der dazugehörige Luftsprung, beides ließ ich einfach ausfallen. War mir dann doch zu doof.

Gegen Mittag hatte ich mein kleines Yoga-Training umgesetzt und am späten Nachmittag schwamm ich im herrlichen Meer. Es klappte alles unglaublich gut. Am 5. Tag saß ich zum Trocknen am Strand und dachte, Wow, endlich klappt mal was! Du ziehst es durch! Ich sollte wirklich damit aufhören, sowas zu denken oder überhaupt daran zu denken, alles wird vielleicht doch noch gut! Ich schaffe das! Es wird! Am Abend hustete meine Tischnachbarin beim Abendessen quer über den Tisch und meinte, die scheiß Bronchitis hat sie sich aus Deutschland mitgebracht. Während des gesamten Abendessens hustete und prustet sie vor sich hin. Der nächste Tag klappte noch echt gut. Aber ab dem 07. Tag war es dann doch vorbei. Ich trat auf die Bremse. Mein Kopf schmerzte und im Hals fing es an.

Trotzdem bin ich bis zum letzten Tag morgens vor dem Frühstück an den Strand und bin meine Strecke zwar nicht gejoggt aber immerhin gewalkt. Mit den Füßen im Wasser, freute ich mich über die drei älteren Italiener, denen ich seit dem ersten Tag dort begegnet bin und dachte mir, ja eigentlich machen die es richtig. Sie genießen diesen Weg und das Wasser. Oft standen sie auf meinem Rückweg mitten im Meer und diskutierten lautstark, was ich so gerne beobachtet. Ich machte es ihnen nach, saß nach meinem Gang noch am Strand und schaute auf das unfassbare schöne Meer in der unfassbar schönen Bucht.

Yoga ließ ich ausfallen (machte nur noch kleine Gleichgewichtsübungen) und das Schwimmen auch. Leider konnte ich die Erkältung nicht abwenden und nahm sie mit nach Hause.

Einen Trost hatte ich dann aber doch, denn mein Immunsystem ist genauso gut oder schlecht, wie von den anderen am Tisch. Es hatte uns alle erwischt!

… hinfallen … aufstehen … …aufrichten … innehalten!

Laufen alleine reicht nicht, darauf kam ich ja bereits zu Beginn meines Vorhabens am New Yorker Marathon teilzunehmen. Der Körper braucht Muskelaufbau, passende Ernährung, einen Ausgleich (Yoga, Physio, Massage, Entspannung), ein ausgewogenes und angepasstes Training und gute Kleidung. Mein Ziel ist ja auch, es nicht IRGENDWIE zu schaffen. Ankommen werde ich schon. Ich schaffte es ja immer irgendwie. Aber das ist Vergangenheit: einfach loslaufen, machen und es dann irgendwie schaffen. Irgendwie bekam ich die Miete zusammen. Irgendwie die Gelder für das Projekt. Irgendwie den Rechtsstreit vom Tisch.
Rückblickend habe ich alles hinbekommen, sogar meine Niederlagen: Hamburg, Scheidung, Gehirntumor. Und irgendwie würde ich auch meine 10 km in New York schaffen. Mein Wille peitscht das schon durch!

Laut meinem nahen Umfeld war bei mir alles leicht, unbeschwert und fast schon verantwortungslos, als wenn mich nichts Mühe kosten würde. Ich lebte deren Meinung nach meinen Traum, hielt mich an keine für sie völlig normale Regeln und machte einfach, wie ich es für richtig hielt ohne Wenn und Aber. Das brachte Neid hervor und es kamen Vorwürfe wie, Du gehst völlig egoistisch (ich bin ziemlich kompromisslos, das stimmt wohl) durchs Leben. Mag sein, dass es so war – so ist, aber auch Träume leben wollen (was ich nicht auf Kosten von anderen tat) hat seinen Preis, der bezahlt werden will! Und den zahlte ich mit Zins und Zinseszins. Viele fanden, das war nur gerecht. Ich hatte mich nie beschwert. Während meiner absolut miesesten Jahre zwischen Gehirntumor und Brustkrebs bekam ich somit ständig zu hören: Du schon wieder! Jammere nicht rum! Selbstmitleid ist scheiße (ist es!). … Was sollte ich dagegen protestieren, sie hatten ja aus Ihrer Sicht recht. Zudem war ich eine Meisterin darin, mir selbst kräftig ins Gesicht zu schlagen. Ja, es nervte mich selbst ungemein, wenn ich völlig kraft- und perspektivlos in der Gegend rumstand und so gar nicht mehr hochkam. Wie unglaublich wenig hatte ich von mir selbst gehalten und mich wertgeschätzt.

Trotz allem blieb ich eine, wie es auf den Postkarten steht: hinfallen, aufstehen, aufrichten, Krönchen richten, lächeln, weitergehen. Auch wenn es Zeiten gab, an denen es doch sehr lange dauerte, bis ich das Krönchen wieder einigermaßen gerade auf meinem Kopf platziert hatte. Dabei rutschte es täglich hin und her und wieder herunter.

Bevor mich der Hirntumor zur Strecke brachte und die miesen Jahre damit einläutete, wurde ich ausschließlich Mitten im dicksten Stress ruhig, konnte erst dann klare und konstruktive Entscheidungen treffen, wobei mich stressfreie Zeiten total stressten. Und genau das möchte ich für meine Zukunft ändern. Ich möchte keine beruflichen und privaten Kriegsgebiete mehr, in denen ich mich so gut auskenne, sondern mir eine harmonische und entspannte Zukunft schaffen. Ich möchte nicht erst dann gute Entscheidungen treffen können, wenn ich wie ein Kaninchen vor der Flinte stehe, starr vor Anspannung und Angst.

Auf der emotionalen Ebene habe ich schon sehr viel geschafft oder besser ausgedrückt, abgeschafft. Ich trennte mich von den Heul-doch-nicht-rum-Menschen. In der Serie Sex And The City sagte die Figur Samantha einen sehr klugen und wichtigen Satz, als sie sich nach der Chemo von ihrem Freund trennte. Sie sagte zu ihm: Ich liebe Dich und Du bist mir unglaublich wichtig, aber es gibt einen Menschen, der mir wichtiger ist, dass bin ich selbst! Ich stresse mich nicht mehr, wenn mein Krönchen schief sitzt. Ist halt so! Ich stelle mich nicht mehr ständig infrage oder finde mich vollkommen nervig – anstrengend.

Seit dem Frühjahr arbeite ich daran, dass mein Körper stärker wird. Und das wir zusammenfinden. Ein Team werden. Ich möchte ihm danke sagen, für all das was er über Jahrzehnte mitgetragen hat und aushalten musste. Dabei lasse ich mir helfen und habe eine tolle Lehrerin dafür gefunden.

Yoga stellt mir eine Verbindung zum Körper her und beruhigt meinen Geist. Ich finde es unfassbar traurig, dass ich all die Jahre nicht auf meinem Körper und meine Gefühle geachtet habe. Ich finde es so traurig, dass ich meinen Körper jetzt erst Beachtung schenke und nicht ständig fordere: Mach schon! Dabei hilft mir Yoga. Ich lerne dort, mit mir und meinem Körper achtsam umzugehen und staune so oft, was er alles kann. Und das hilft mir beim Laufen. Ich lerne mit den Kräften zu haushalten und ich lerne anders durchhalten, in meinem Tempo und nicht irgendwie.

Und wieder zurück auf Anfang!

Irgendwie muss man beginnen, den ersten Schritt tun und keine Ausreden mehr zulassen. Ich hatte mir zu Beginn ein sehr ehrgeiziges Trainingsziel vorgenommen.

Das Ziel war, in der KW 29 pro Woche folgendes zu leisten:
3 x Power Walking (8, 10 und 12 km), gespickt mit Laufphasen:
je 15, 20, 15 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking).
Ergänzend zum Lauftraining:
1 x Yoga
1 x Ergobike oder Crosstrainer (45 Min.)

In der 2. Trainingswoche musste ich meinen Plan bereits komplett neu überdenken. Ich war noch in der Antikörpertherapie und hatte vieles einfach nicht bedacht. In der darauffolgenden Woche kam die Hitze und ich musste wieder neue Entscheidungen treffen. Zudem habe ich festgestellt, dass neue Wege (Strecken) neurologisch schwer umzusetzen sind. Das hört sich jetzt ein wenig behindert an, aber ich habe mir wohl unterbewusst eine Strategie fürs Laufen angeeignet, die mir im Alltag schon gar nicht mehr auffällt. Ich merke es nur, wenn ich in einer anderen Stadt bin (also neue Wege gehen muss) oder einen schlechten Tag habe, denn dann gerate ich aus dem Takt und fange an zu schwanken und zu stolpern. Daher habe ich beschlossen, erst einmal nur im Park zu trainieren und immer wieder die gleiche Strecke zu laufen. Wenn ich diese Strecke komplett joggen kann, dann erweitere ich meine Strecke. Der Plan geht auf. In der KW 29 habe ich zwar mein gestecktes Lauf- /Streckenziel absolut nicht erreicht. Dafür habe ich jedoch einen machbaren Anfang für mich gefunden und letzte Woche folgendes geschafft:

Ich bin 3 x  30 Minuten durch den Park gelaufen und gewalkt (Im Wechsel. Allerdings laufe ich mehr als 50% der Strecke am Stück. Ich bin auch kein Elefant mehr, sondern habe einen leichten Laufstil gefunden), anschließend 30 Minuten Yogaübungen, speziell für den Rücken, damit er sich nicht wieder verhakt,
2  x  30 Minuten / 10 km Rad fahren,
1 x 60 Minuten Yoga.

Sollte es fürs Laufen zu heiß sein, gehe ich schwimmen.

Ich glaube, ich kann ein klein wenig stolz auf mich sein. Ich habe nach dem Desaster in der zweiten Woche, nicht die Flinte ins Korn geworfen, sondern einen Weg gesucht, der für mich gut umsetzbar und machbar ist.

Lieber Guido, ich danke Dir von Herzen, dass Du mir immer harte Ansagen gemacht hast, als ich die vielen Ausreden vorgetragen hatte, um nicht zu laufen!!

Volle Kraft voraus!

Nach meinem  ersten Training mit einem Profi-Lauftrainer war ich hoch motiviert. Ich hatte das Gefühl, ich könnte es schaffen: New York, 10 km und mein Leben. Mir geht es nicht um den Wettbewerb beim New Yorker Marathon. Ich muss das einfach tun! Zum einem bedeutet mir die Stadt sehr viel (in den 90ern fast alles!) und zum anderen brauche ich das Gefühl an etwas ganz Großem teilzunehmen. Ich laufe für mein neues Leben, um mein Leben und gegen die Angst, die viel zu oft noch schneller ist als ich. Ich möchte es mir einfach selbst beweisen, dass ich es schaffen kann: leben! So wie ich es nach dem Gehirntumor geschafft habe, aufrecht zu gehen. Mein Problem dabei ist, meine Vorstellung über den Weg dahin (ich bin völlig werbeverseucht und stelle mir immer wieder vor, wie leichtfüßig ich die Runden drehen werde), dieser jedoch absolut und sehr weit entfernt davon sein wird.  Als Kulturmanagerin weiß ich, man muss sich auf jedes Projekt neu einlassen, um  auf alle Unwägbarkeiten (die 100 pro eintreten werden) reagieren zu können. Allen Widrigkeiten trotzten. Der Weg ist ein ständiger Abgleich mit der Realität.

Die erste Trainingswoche lag in der Woche meiner Antikörpertherapie und dieses Mal  schwoll auch noch mein rechter Oberschenkel an, in dem die Spritze gesetzt wurde. Sich Antikörper spritzen zu lassen, ist echt eklig. Ist das Mittel zu kalt oder wird zu schnell gespritzt, dann brennt das wie Bolle. Dieses Mal brannte das halbe Bein fast über zwei Tage hinaus. Also lief ich erst am Mittwoch los. Ich schaffte anstelle von 8 km, 6,5 km und hinkte mit dem geschwollenen Bein nach Hause. Am Freitag schaffte ich die vorgegebenen 10 km und am Sonntag sogar ganz knapp mit 11,96 km die 12 km Strecke.  Wenn ich hier vom Laufen schreibe, ist es in erster Linie Power Walking mit 3 x 5 Minuten Jogging dazwischen. Donnerstag und Samstag machte ich Yoga.  Damit hatte ich das geplante Programm, bis auf Radfahren durchgezogen. Ich war ein wenig stolz auf mich, obwohl ich wusste, ich hatte es ziemlich übertrieben für den Anfang. Wollte einfach zu viel auf einmal.

Sonntag bekam ich prompt die Quittung für meine Selbstüberschätzung. Nach den 12 km war ich dermaßen platt, sodass gar nichts mehr ging.  Zu allem Überfluss hatte ich mir auch noch meinen unteren Rücken völlig verhakt und kam kaum noch die Treppe hinunter. Becken und Hüfte waren dicht und verdreht. Daran war ganz bestimmt das geschwollene und brennende Bein Schuld (späte Erkenntnis meines gesunden Menschenverstands). Nach 100 Metern ging es  nur noch omamäßig langsam vorwärts. Zwischen all dem, wie schleppe und hinke ich mich vorwärts,  knickte dann auch noch mein linkes Bein ohne Vorankündigung weg, was bei mir sofort HIRNTUMOR-ALARM  auslöste. Wenn das Bein einfach so wie Pudding wegknickt, gerate ich aus dem mentalen Stand heraus in Panik. Sofort sind alte Erinnerungen geweckt und Hirn wie Körper in Alarmbereitschaft. Ich hatte es bereits nach der ersten Woche absolut versemmelt.

Meine zweite Trainingswoche bestand somit völlig ausgebremst aus Physiotherapie, Yoga und schwimmen. In der dritten Woche konnte ich schon fast wieder laufen, doch da kam die Hitze. Also wieder nur schwimmen und Yoga. Am Freitag der erste kleine Lauf. Samstag Yoga und am Sonntag wieder schwimmen. Mehr war nicht drin.

Am Montag erhielt ich meine letzte Antikörperspritze. Mit der großen Erleichterung: geschafft, endlich die Therapie beendet zu haben, überkam mich  die große Lethargie. Diese Woche hätte ich so schön laufen können. Kein dickes brennendes Bein, keine Hitze aber dafür Freunde treffen, Bücher lesen und endlich Italien planen. Kekse und Törtchen essen,  dazu Kaffee trinken. Nebenan mit der Katze spielen. Sie liebt meine neuen Locken (mit denen ich mich nicht so recht anfreunden kann) und streicht vorsichtig mit ihrer Pfote dadurch.
Ich schäme mich ein wenig, da ich doch so Großes vorhabe und schon nach einer Woche Training den Totalausfall hinlege. Dazu aktuell völlig unmotiviert nix tu, was mir aber echt Spaß macht.

Nächste Woche bin ich in meiner alten Heimat Hamburg. Dort kenne ich mich gut aus, also habe ich keine Ausrede, die gegen die Fortsetzung meines Lauftrainings spricht.  Am Sonntag mache ich mir einen neuen Plan. Ich schaffe das!

Schuhe an und los gehts!

Letzten Dienstag hatte ich meine erste Trainingsstunde. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was auf  mich zukommt. Ich war so aufgeregt, dass ich den Trainer direkt mal vollgequatscht habe. Reden lenkt mich ab (und ich lenke den anderen, das meine allerdings nur ich, von meiner Aufregung ab) und fördert ausschließlich meine Konzentration. Der Gegenüber ist irgendwann genervt oder überfordert. Zum Schluss wurde ich ruhiger, konnte auch vieles mitmachen und verstehen und habe die erste Stunde ohne große Pleiten überstanden. Es hat sogar Spaß gemacht.  Zudem habe ich einiges über mich und meinem Körper gelernt.

Zum ersten Mal konnte ich mir vorstellen, dass ich es auch wirklich schaffen könnte, meine Idee mit New York. Vielleicht ist es in zwei Jahren auch gar nicht mehr so wichtig. Letztes Jahr während der Chemo gab es nur einen einzigen Strohhalm für mich: Italien. Ich stellte mir immer wieder vor, wie ich im Herbst 2019 mit einem dreirädrigen italienischen Gefährt durch die  Toskana düse. Ich sah mich damit auf den Straßen zwischen Siena, Florenz, Pisa und Carrara hin und her fahren. Ich sah die Baum-Alleen, die Sonne in Lucca untergehen, das Meer und spürte das italienische Leben. Ohne diesen Strohhalm – ich weiß nicht, was ich ohne ihn getan hätte! Jetzt könnte ich es wirklich tun und was ist? Ich habe keine Lust dazu. Je näher ich diesem Ziel komme, um so weniger Lust habe ich dazu.

Und dann sendete mir einen Tag später mein Trainer, den Trainingsplan bis Mitte Juli zu! Da war ich dann gleich wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Mein Wochenplan bis zur 29 KW:

1 x Yoga
1 x Ergobike oder Crosstrainer (45 Min.)
3 x Power Walking (8, 10 und 12 km), gespickt mit Laufphasen (siehe nachfolgende Angaben)

KW 24:
je 5, 5, 5 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 25:
je 5, 5, 6 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 26
je 5, 6, 6 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 27
je 6, 6, 6 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 28
je 10, 15, 15 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 29
je 15, 20, 15 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)

Meine erste alleinige Proberunde habe ich bereits hinter mir und JA! : Das wird eine echte Herausforderung. Mein ganzer Optimismus schwand  dahin. Anstelle von 8 km schaffte ich reale 6,57 km. Gemessen per GPS! Laut Laufuhr (gemessen per Schritte) schon um die 10 km  und laut Handy  (gemessen per Schritte) so um die 8 km.  Ansonsten ging es so gerade eben. Aber wie ich die 12 km schaffen soll? Keine Ahnung. Vielleicht einfach nach der Laufuhr laufen :-). Das Trainingsziel der 29. KW: reine Utopie.
Bei der Trainingsstunde habe ich es geschafft eine Leichtigkeit in meinem Laufschritt einzubauen und dachte noch, so kriege ich das hin. Gestern lief ich wie ein Elefant und anstatt nach dem Himmel zu streben und aufrecht zu laufen, war ich fest mit der Erde verwurzelt.
Aber ich stresse mich jetzt nicht mehr mit meinem dämlichen Perfektionismus. Obwohl ich diese Vorgaben schon in meinem Terminkalender detailliert eingetragen habe. So bin und kenne  ich mich! Orga, das bin ich! Jetzt muss ich nur noch schauen, wie ich meinen Plan umgesetzt bekomme.

Ich werde es Tag für Tag angehen. Immerhin habe ich 2 Jahre Zeit für mein Ziel!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagte zumindest Hermann Hesse.

Das eine ist, eine Vision zu haben und gefühlt schon durchs Ziel zu laufen. Das andere diese umzusetzen.

Seitdem ich beschlossen habe, professionell zu laufen, kommen ganz viele Aufgaben auf mich zu. Plötzlich geht es nicht mehr, Schuhe an und einfach los. Und wenn man keine Lust mehr hat, einfach wieder zurück.  Zwischendurch auf der Mauer sitzen und den Schiffen zuschauen.
Jetzt muss der Herzschlag geprüft werden, so mein Physiotherapeut. Und das richtige Schuhwerk muss her, so von allen die Ahnung vom Laufen haben oder auch nicht.

Die richtige Sportkleidung und -ausrüstung muss her. Atmungsaktiv muss sie unbedingt!!!!  sein. Zudem Wind- und Regenschutz und noch mehr Kleidung für all das, was das Wetter sonst noch so auf der App anzeigt. Dazu ein Messgerät für die Trainingsaufzeichnung. Fehlt noch etwas? Ich denke schon  – nur was? Laufen alleine, dass geht plötzlich aber auch nicht mehr. Man braucht Ausgleichsport: für die Kraft, für die Beine und überhaupt. Obendrauf stelle ich fest, meine Ernährung ist suboptimal. Immerhin habe ich mit meinem Blutdruckmesser den Ruhepuls schonmal probeweise gemessen. Er bewegt sich zwischen 70 und 75. Das heißt laut Google: ich bin nicht ganz so schwach auf der Brust.

Ich habe und mache alles so halb richtig. Mir schwirrt der Kopf. Das ist kein einfaches am Rhein laufen mehr, sondern eine echte Herausforderung für mich. Ich kann jetzt nicht mehr wie Rocky in ollen Jogging-Klamotten durch die Gegend laufen und oben auf der Treppe ein wenig in der Luft rum boxen und triumphierend die Arme in die Höhe strecken. Hat er das überhaupt gemacht? Gefühlt denke ich schon.  Im Vorder- oder Hintergrund das Lied: „Eye Of The Tiger“.

So! Ab jetzt gehe ich es professionell an. Wenn ich mir das vorstelle, muss ich immer lachen. Eins habe ich mit Rocky gemeinsam. Ich stelle mich einer Herausforderung, in die ich – wenn ich all meinen Optimismus und kindlichen Größenwahn zusammennehme – nur noch reinwachsen muss.
Für den Anfang ersetze ich  meinen persönlichen Motivations-Song: Dancing Queen gegen Eye Of The Tiger. Schmeiße alle meine Element of Crime Lieder vom iPod und drehe ab sofort  leichtfüßig meine Runden im Rheinpark – ohne Mauer und Schiffe.  :-)!

Einen Trainer habe ich mir auch gesucht und auch einen gefunden.  Besser ist es! Am 04.06. gehts los.