Schuhe an und los gehts!

© IRIS EDINGER I Photography I Düsseldorf

Letzten Dienstag hatte ich meine erste Trainingsstunde. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was auf  mich zukommt. Ich war so aufgeregt, dass ich den Trainer direkt mal vollgequatscht habe. Reden lenkt mich ab (und ich lenke den anderen, das meine allerdings nur ich, von meiner Aufregung ab) und fördert ausschließlich meine Konzentration. Der Gegenüber ist irgendwann genervt oder überfordert. Zum Schluss wurde ich ruhiger, konnte auch vieles mitmachen und verstehen und habe die erste Stunde ohne große Pleiten überstanden. Es hat sogar Spaß gemacht.  Zudem habe ich einiges über mich und meinem Körper gelernt.

Zum ersten Mal konnte ich mir vorstellen, dass ich es auch wirklich schaffen könnte, meine Idee mit New York. Vielleicht ist es in zwei Jahren auch gar nicht mehr so wichtig. Letztes Jahr während der Chemo gab es nur einen einzigen Strohhalm für mich: Italien. Ich stellte mir immer wieder vor, wie ich im Herbst 2019 mit einem dreirädrigen italienischen Gefährt durch die  Toskana düse. Ich sah mich damit auf den Straßen zwischen Siena, Florenz, Pisa und Carrara hin und her fahren. Ich sah die Baum-Alleen, die Sonne in Lucca untergehen, das Meer und spürte das italienische Leben. Ohne diesen Strohhalm – ich weiß nicht, was ich ohne ihn getan hätte! Jetzt könnte ich es wirklich tun und was ist? Ich habe keine Lust dazu. Je näher ich diesem Ziel komme, um so weniger Lust habe ich dazu.

Und dann sendete mir einen Tag später mein Trainer, den Trainingsplan bis Mitte Juli zu! Da war ich dann gleich wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Mein Wochenplan bis zur 29 KW:

1 x Yoga
1 x Ergobike oder Crosstrainer (45 Min.)
3 x Power Walking (8, 10 und 12 km), gespickt mit Laufphasen (siehe nachfolgende Angaben)

KW 24:
je 5, 5, 5 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 25:
je 5, 5, 6 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 26
je 5, 6, 6 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 27
je 6, 6, 6 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 28
je 10, 15, 15 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)
KW 29
je 15, 20, 15 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking)

Meine erste alleinige Proberunde habe ich bereits hinter mir und JA! : Das wird eine echte Herausforderung. Mein ganzer Optimismus schwand  dahin. Anstelle von 8 km schaffte ich reale 6,57 km. Gemessen per GPS! Laut Laufuhr (gemessen per Schritte) schon um die 10 km  und laut Handy  (gemessen per Schritte) so um die 8 km.  Ansonsten ging es so gerade eben. Aber wie ich die 12 km schaffen soll? Keine Ahnung. Vielleicht einfach nach der Laufuhr laufen :-). Das Trainingsziel der 29. KW: reine Utopie.
Bei der Trainingsstunde habe ich es geschafft eine Leichtigkeit in meinem Laufschritt einzubauen und dachte noch, so kriege ich das hin. Gestern lief ich wie ein Elefant und anstatt nach dem Himmel zu streben und aufrecht zu laufen, war ich fest mit der Erde verwurzelt.
Aber ich stresse mich jetzt nicht mehr mit meinem dämlichen Perfektionismus. Obwohl ich diese Vorgaben schon in meinem Terminkalender detailliert eingetragen habe. So bin und kenne  ich mich! Orga, das bin ich! Jetzt muss ich nur noch schauen, wie ich meinen Plan umgesetzt bekomme.

Ich werde es Tag für Tag angehen. Immerhin habe ich 2 Jahre Zeit für mein Ziel!