Zurück auf Anfang!

Nach meinem  ersten Training mit einem Profi-Lauftrainer war ich hoch motiviert. Ich hatte das Gefühl, ich könnte es schaffen: New York, 10 km und mein Leben. Ich laufe für mein neues Leben, um mein Leben und gegen die Angst.

Mich kann man schnell für etwas begeistert und so stand ich nach dem ersten Profitraining innerlich schon an der Startlinie in New York und wollte endlich loslaufen! Den Weg bis dorthin hatte ich für Momente völlig ausgeblendet. Somit hatte ich auch absolut kein Problem mit meinem  ambitionierten Plan für die nächsten 8 Wochen:

pro Woche:

3 x Power Walking (8, 10 und 12 km), gespickt mit Laufphasen:
je 15, 20, 15 Minuten Laufphase (aber erst nach der 15. Minuten Power Walking).
Ergänzend zum Lauftraining:
1 x Yoga
1 x Ergobike oder Crosstrainer (45 Min.)

 

Die erste Trainingswoche lag in der Woche meiner Antikörpertherapie und dieses Mal schwoll auch noch mein rechter Oberschenkel an, in dem die Spritze gesetzt wurde. Also begann ich  mit dem Training erst zwei Tage später. Ich schaffte anstelle von 8 km nur 6,5 km und hinkte mit dem geschwollenen Bein nach Hause. Am Freitag schaffte ich die vorgegebenen 10 km und am Sonntag sogar ganz knapp mit 11,96 km die 12 km Strecke.  Wenn ich hier so lautstark vom Laufen schreibe, ist es in erster Linie Power Walking mit 3 x 5 Minuten Jogging dazwischen. Donnerstag und Samstag machte ich meine Yogaübungen. Damit hatte ich das geplante Programm, bis auf das Radfahren durchgezogen. Ich war ein wenig stolz auf mich.

Sonntag – nachdem das Adrenalin schlapp machte – bekam ich prompt die Quittung für meine Selbstüberschätzung. Nach den 12 km war ich dermaßen platt, sodass gar nichts mehr ging. Zu allem Überfluss hatte ich mir auch noch meinen unteren Rücken völlig verhakt und kam kaum noch die Treppe hinunter. Becken und Hüfte waren dicht und verdreht. Nach weniger als 100 Metern ging es nur noch omamäßig vorwärts. Zwischen alledem, wie schleppe und hinke ich mich vorwärts, knickte dann auch noch mein linkes Bein ohne Vorankündigung weg, was bei mir sofort HIRNTUMOR-ALARM auslöste. Wenn das Bein einfach so wie Pudding wegknickt, gerate ich aus dem Stand heraus in Panik. Sofort sind alte Erinnerungen geweckt und Hirn wie Körper in Alarmbereitschaft.

Fazit: Ich hatte es bereits nach der ersten Woche absolut versemmelt.

Meine zweite Trainingswoche bestand daher völlig ausgebremst aus Physiotherapie, Yoga und schwimmen. In der dritten Woche konnte ich schon fast wieder laufen, doch da kam die Hitze. Also wieder nur schwimmen und Yoga. Am Freitag der erste kleine Lauf. Samstag machte ich leichte Yogaübungen und am Sonntag ging ich wieder schwimmen. Mehr war nicht drin.

Am Montag darauf erhielt ich meine letzte Antikörperspritze. Mit der großen Erleichterung: geschafft, endlich die Therapie beendet zu haben, überkam mich die große Lethargie. Diese Woche hätte ich so schön laufen können. Alles stimmte. Kein dickes brennendes Bein, keine Hitze aber dafür Freunde treffen, Bücher lesen und endlich Italien planen. Kekse und Törtchen essen, dazu Cappuccino in meinem Eiscafé trinken.

Seitdem schäme mich ein wenig, da ich doch so Großes vorhabe und schon nach einer Woche Training den Totalausfall hinlege. Dazu aktuell völlig unmotiviert nix tu, was mir allerdings ziemlichen Spaß macht.