Einfach so!

Einfach mal sich nicht über Krebs, Medikamente und Therapien, die man nicht verträgt, (diese Themen hatten mein ganzes letztes Jahr geprägt) austauschen oder reden und spontan etwas machen: etwas völlig Normales und dazu noch unbeschwert. Risikolos! Entweder es wird gut oder eben auch nicht. Was soll’s? Ausprobieren, machen! So entstand letzten Sonntag spontan und völlig improvisiert der Kleidertausch in meiner Wohnung. Mitte August saß ich mit meinen beiden Freundinnen in der Küche und sie meinten, es fehlt eine Wohnung für einen Kleidertrödel und ich sagte, klar nehmen wir meine! Ich startete einen Aufruf bei nebenan.de.  Zudem streuten wir die Info in unserem Bekanntenkreis.

Der Plan war, dass wir unsere Kleiderschränke ausmisten und dann bei mir zum Tausch oder bestenfalls nur zum Verkauf anbieten. Es kamen viele Frauen. Mehr als ich auf den Zettel hatte.  Nach nicht einmal einer Stunde wurden alle Hüllen fallengelassen und ein bunter und aktiver Tauschhandel war eröffnet. Alle Frauen hatten irgendwelche Kleidungsstücke der anderen Frauen an und quasselten wild durcheinander. Lustigerweise klappt das mit dem Verkaufen nur sehr selten. Letztendlich verkauft man etwas, um dann wieder etwas zu kaufen. Ging das Geld völlig aus, dann wurde eben nur noch getauscht oder man verabredete sich noch einmal an einem anderen Tag. Oder ging runter zum Bankautomaten. Im Vordergrund solcher Klamotten-Tausch-Verabredungen steht der Spaß, auch wenn in der heutigen Zeit alle die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Ich bin keine Gutbürgerin, liebe aber schon immer Second Hand. Während meiner Theaterzeit hatte ich die Doris Day Phase. Später hatte ich einen tollen 40er Jahre Fundus, den ich irgendwann einem freien Theater schenkte. Second Hand ist für mich viel spannender und macht auch viel mehr Spaß, als in ein Kaufhaus oder in eine Boutique zu gehen. Und den hatten wir, den Spaß! Irgendwann, als fast alles angeschaut und anprobiert wurde, standen die meisten Frauen in meiner Küche, redeten über alles Mögliche und hatten einfach nur Spaß. Es war wie früher, als ich während des Studiums in der Altstand wohnte und spontane Bottle-Küchen-Partys veranstaltete. Einfach nur so treffen, egal wer kommt und Spaß haben. Völlig ungezwungen.

Eine Woche später hallt immer noch die Leichtigkeit von dem Nachmittag nach. Wie einfach es sein kann: nicht ständig über Krankheit, Rückfälle, gesunde Ernährung, Sport und all die Nebenwirkungen der Krebstherapie nachdenken und reden zu müssen. Wie einfach Leben sein kann, wenn man einfach nur macht. Klappt natürlich noch nicht so oft, wieder ins Leben eintauchen und spontan sein. Aber Schritt für Schritt geht das schon, sich wieder unter normalen (gesunden) Menschen zu mischen und über Alltägliches zu reden und daran teilzunehmen, nicht mehr als Außenstehende dabeizustehen, sondern dazugehören. Mittendrin sein, im völlig normalen Leben! Ich habe meine spontane Aktion absolut nicht bereut. Von Anfang bis Ende hat es nur Spaß gemacht! Allerdings ist mein Kleiderschrank eher voller als leerer geworden. Zum Schluss hin habe ich meine Sachen wie Sauerbier angeboten. Aber alle hatten bereits genug gekauft und zu wenig verkauft.

Es war ein Tag unter Gesunden. Es ging um Mode, um uns Frauen, um den Job oder einfach nur um das Kennenlernen: Wer bist Du denn? Was machst Du so? Hey, wo kann ich mich umziehen? Steht mir das? Um ganz einfache und normale Dinge eben! Und es war schön. Einfach nur unkompliziert!

Es ist spät geworden. Am Abend sind  nur noch wir übrig geblieben. Aber ich finde, auf dem Foto sieht man uns den Spaß, den wir hatten, noch an!